A Few Notes on the Culture

FIRSTLY, AND MOST IMPORTANTLY: THE CULTURE DOESN'T REALLY EXIST. IT ONLY EXISTS IN MY MIND AND THE MINDS OF THE PEOPLE WHO'VE READ ABOUT IT.

Iain M Banks
(Sun-Earther Iain El-Bonko Banks of North Queensferry)
(1954 - 2013)


»Wenn Sie wirklich so alt sind … Was haben Sie im Lauf der Jahrhunderte und Jahrtausende gelernt? Welches sind die Früchte Ihrer Weisheit?«
»Es sind bemerkenswert wenige. Ich habe es geschafft zu vermeiden, zu viele Lektionen zu lernen. Vielleicht ist es das, was mich am Leben erhält.«
[...]
»So lange Zeit zu leben …«, sagte sie. »Es war also letztendlich umsonst.«
»Das stimmt in gewisser Weise, aber darin unterscheide ich mich kaum von allen anderen, oder?«
»Sollte so ein langes Leben nicht irgendeinen Sinn haben?«
»Nein. Leben hat nie einen Sinn, oder es bekommt einen durch das Leben selbst. Da ich von Natur aus heiteren Gemüts bin, neige ich zu Letzterem. Andererseits … Länger gelebt zu haben als sonst jemand, macht keinen so großen Unterschied.« Die Stimme aus dem grauen Würfel legte eine kurze Pause ein. »Allerdings kann ich sagen: So lange zu leben hat mich davon überzeugt, dass ich nicht mehr ganz die nette Person bin, für die ich mich einmal gehalten habe.«
Die letzten Sätze boten Cossont gleich zwei Gelegenheiten zu beißendem Spott, doch sie nutzte keine von ihnen. Sie begnügte sich mit einem leicht sarkastischen »Tatsächlich?«
»Bei einem so langen Leben wird einem früher oder später klar, wie sinnlos vieles von dem ist, was wir tun, insbesondere wenn man die gleichen Verhaltensmuster bei neuen Generationen und sogar bei ganz anderen Spezies sieht. Man erkennt die gleichen Träume und Hoffnungen, die gleichen Ambitionen und Erwartungen, auch die gleichen Planungen und Handlungen, die gleichen Taktiken und Strategien, denen die gleichen vorhersehbaren und oft beklagenswerten Anstrengungen zugrunde liegen, und man fragt sich: Na? Spielt es wirklich eine Rolle? Warum Mühe an all diese Dinge vergeuden? Sind es nicht nur weitere dumme, zum Scheitern verurteilte Wege, eine leere, unnütze, zwecklose Existenz zu füllen, in Scheiben zwischen die grenzenlosen Unendlichkeiten aus dunklem Nichts gequetscht, die wie Stützen des Trivialen und Banalen sind?«
»Hm«, machte Cossont. »Ist das eine rhetorische Frage?«
»Es ist eine irrige Frage. Bedeutung liegt woanders. Es gibt immer Bedeutung. Zumindest zeigen alle Dinge die beunruhigende Tendenz, Bedeutung zugeschrieben zu bekommen, wenn intelligente Wesen in der Nähe sind. Es gibt nur keine letzte Bedeutung, keine der kursiven Art. Obwohl die Illusion einer solchen für bestimmte Geister tröstlich ist.«
»Sie meinen die Armen, Verblendeten und Dummen.«
»Wortwahl und Tonfall deuten darauf hin, das Sie, wie eben schon einmal, sarkastisch sind. Sei’s drum. Nun, es gibt noch eine andere Reaktion auf die nie endende Fülle unorigineller Dummheiten, die das Leben mit nicht nachlassender Zuverlässigkeit präsentiert. Abgesehen von Entsetzen und Verzweiflung, meine ich.«
»Und die wäre?«
»Eine Art Schadenfreude. Wenn man den Tiefpunkt überlebt, der mit dem Verständnis einhergeht, dass die Leute auch weiterhin dumm bleiben und grausam zueinander sind, ganz gleich, was auch geschieht, bis in alle Ewigkeit – wenn man diesen Tiefpunkt überlebt; viele begehen an dieser Stelle Selbstmord –, dann kann man beginnen, sich eine neue Einstellung zu eigen zu machen, die da lautet: Ach, was soll’s. Es wäre weitaus wünschenswerter, wenn die Dinge besser wären, aber sie sind es nun einmal nicht, und wir müssen das Beste daraus machen. Mal sehen, welchen Schwachsinn sich die Tölpel diesmal einfallen lassen, um sich das Leben schwer zu machen.«
»Eine Reaktion, die nicht unbedingt vor Mitgefühl strotzt.«
»Mag sein. Aber ich will damit sagen: Vielleicht ist es die einzige Reaktion, die einen mit einem langen Leben fertigwerden lässt, ohne dass man zum überzeugten Eremiten wird; sie kommt gewissermaßen einem Filter gleich, der Misanthropie fördert. Nette Leute, die ein langes Leben führen, reagieren mit solchem Abscheu auf die sprießenden Schrecken, denen sie sich gegenübersehen, dass sie in der Regel Selbstmord begehen. Nur wir leicht boshaften Typen sind in der Lage, diese Erkenntnis zu überleben und eine Art Gefallen – oder zumindest eine gewisse Zufriedenheit – darin zu finden zu beobachten, wie auch die neueste Generation oder Spezies jenen Weg findet und beschreitet, von dem wir naiverweise hofften, er sei inzwischen von verbergendem Unkraut überwuchert, einen Weg, der unweigerlich zu Katastrophe, Schande und Scham führt.«
»Es läuft also auf Folgendes hinaus«, sagte Cossont. »Im Grunde genommen sind Sie am Leben geblieben, um zu beobachten, wie wir alle Mist bauen.«
»Ja. Das ist eine der wenigen garantierten Konstanten des Lebens.«
Cossont dachte darüber nach. »Wenn das stimmt, ist es ein bisschen traurig.«
»So ist das eben mit dem Leben.«
Die Wasserstoffsonate (2012)

Bedenke Phlebas (1987)

Der einzige Wunsch, den die Kultur nicht von innen befriedigen konnte, war den Abkömmlingen der ursprünglichen menschlichen Bevölkerung und den Maschinen, die sie (mochte der erste Schöpfungsakt auch noch solange her sein) ins Dasein gerufen hatten, gemeinsam: Der Drang, sich nicht nutzlos zu fühlen.
Das einzige, woran sie glaubten, ohne einen Beweis dafür zu verlangen, war, daß das Leben einen Sinn habe, daß es etwas gebe, das die meisten Sprachen mit ›Gott‹ übersetzten, und daß dieser Gott eine bessere Existenz für seine Schöpfungen wolle.
Wir sind eine Bastardrasse, unsere Vergangenheit ist ein Wirrwarr, wir sind als Rüpel in gierigen, kurzsichtigen Imperien und grausamer, verschwenderischer Diaspora groß geworden. Unsere Vorfahren waren das Ungeziefer der Galaxis, unaufhörlich heckend und heckend und wimmelnd und tötend, ihre Gesellschaften und Zivilisationen zerbrachen ständig, bildeten sich ständig neu … Es konnte mit uns etwas nicht stimmen, es musste eine Mutation im System sein, etwas, das für uns selbst und für alle anderen zu schnell und nervös und hektisch war. Wir sind solche kläglichen fleischlichen Wesen, so kurzlebig, so unruhig und konfus.
»Das ist das Übliche bei eurer Art«, antwortete Xoxarle dem alten Mann, der nicht aufblickte. »So seid ihr gemacht. Ihr strebt danach, euch während der kurzen Zeit, die euch im Universum zugemessen ist, einen Weg über die Rücken eurer Mitmenschen zu bahnen, ihr vermehrt euch, wann immer ihr könnt, damit die Stärksten überleben und die Schwächeren aussterben. Das mache ich euch ebensowenig zum Vorwurf, wie ich versuchen würde, einen nicht intelligenten Fleischfresser zum Vegetariertum zu bekehren. Ihr steht alle auf eurer eigenen Seite.


Das Spiel Azad (1988)

Imperien sind - auch wenn es gelegentlich zu Abspaltungen kommt - ein Synonym für zentralisierte hierarchische Machtstrukturen, bei denen der Einfluß auf eine wirtschaftlich privilegierte Klasse beschränkt ist. Sie erhält sich ihre Privilegien für gewöhnlich durch den wohlüberlegten Einsatz von Unterdrückung und geschickter Manipulierung sowohl der Informationsverbreitungssysteme als auch der untergeordneten - in der Regel nominell unabhängigen - Machtsysteme der Gesellschaft. Das ist die Quintessenz dessen, was sich über Dominierung sagen läßt.


Einsatz der Waffen (1990)

Liebe, davon ließ sie sich nicht abbringen, sei ein Vorgang und kein Zustand. Wenn sie zum Stillstand kam, ging sie ein.
Das Schiff war über acht Kilometer lang und trug den Namen Größe Ist Nicht Alles.
Wir haben die Schlacht um die Anerkennung des Empfindungsvermögens von Maschinen gewonnen, doch letztendlich wurde diese Erkenntnis nach Lust und Laune zurechtgebogen. Jetzt sagen die Leute, ja, sie besitzen ein Empfindungsvermögen, doch es sind nur menschliche Empfindungen, die zählen. Außerdem haben Menschen es noch nie für nötig gehalten, eine Rechtfertigung zu suchen, um eine andere Spezies als minderwertig anzusehen.
Ich glaube, die Leute überschätzen den Wert des Diskutierens, weil sie sich selbst so gern reden hören.
in allen menschlichen Gesellschaftsformen, die wir je unter die Lupe genommen haben, in jedem Zeitalter und in jedem Staat, bestand kaum jemals Mangel an eifrigen jungen Männern, die bereit waren zu töten und zu sterben, um die Sicherheit, die Bequemlichkeit und die Vorurteile ihrer Eltern zu bewahren, und was du Heldentum nennst, ist nichts anderes als diese Tatsache, dass Idioten niemals knapp werden.


Ein Geschenk der Kultur (1991)

Ach, wie gut es sein mußte, einen einfachen Muskel als Herz zu haben!
Vernunft gestaltet die Zukunft, doch der Aberglaube verpestet die Gegenwart. Und Zufälle überzeugen die Leichtgläubigen.
Mistkäferdenken. Das Leben ist zu kompliziert, als daß es nicht andauernd Zufälle gäbe, und wir müssen uns damit abfinden, daß sie einfach geschehen und keine Fügung dahintersteckt, daß sich manche Dinge aus keinem wie auch immer gearteten Grund ereignen und daß weder das eine eine Strafe noch das andere eine Belohnung ist. Meine Güte, der hieb- und stichfesteste, kratz- und schlagsicherste Beweis für ein göttliches Eingreifen, für eine Art heiligen Masterplan, wäre doch, wenn es überhaupt keine Zufälle gäbe! Das wäre wirklich sehr verdächtig.
Bereit? Welche Rolle spielt das schon? Was bedeutet es überhaupt? Natürlich sind sie nicht bereit dafür, natürlich werden wir den Ort kaputtmachen. Sind sie auch nur einen Deut mehr bereit für den Dritten Weltkrieg? Glaubst du wirklich, wir könnten den Planeten schlimmer zurichten, als sie es zur Zeit selbst tun? Wenn sie sich nicht gerade tatsächlich gegenseitig abschlachten, dann erfinden sie zumindest geniale neue Wege, um sich in der Zukunft noch wirkungsvoller massakrieren zu können, und wenn sie nicht damit beschäftigt sind, dann begehen sie Rassenmord, vom Amazonas bis Borneo… Oder sie vergiften das Meer mit Unrat, oder die Luft oder das Land. Sie könnten von uns kaum noch etwas lernen, was den Vandalismus in ihrer Welt betrifft.
»Die Erde ist ein durch und durch langweiliger Planet«, sagte Li ernst, während vom einen Ende der Halle die Luft in unsere Richtung strömte und am anderen angesaugt wurde. Wir bewegten uns in der Brise.
»Die Erde? Langweilig?« sagte ich. Das Wasser auf meiner Haut trocknete allmählich.
»Was ist der Sinn eines Planeten, auf dem man kaum einen Fuß vor den anderen setzen kann, ohne über jemanden zu stolpern, der einen anderen tötet oder etwas malt oder Musik macht oder die Grenzen der Wissenschaft verschiebt oder gefoltert wird oder sich selbst umbringt oder bei einem Autounfall umkommt oder sich vor der Polizei versteckt oder unter irgendeiner seltsamen Krankheit leidet oder…«
Was ich sagen will, ist folgendes: Man braucht ein bestimmtes Potential an Schlechtem, sonst kann man nicht leben…, oder man kann, aber es hat keine Bedeutung. Man kann nicht den Gipfel ohne das Tal haben, kein Licht ohne Schatten… Es ist nicht so, daß es unbedingt des Schlechten bedarf, um das Gute zu haben, aber es bedarf der Möglichkeit für das Schlechte. So lehrt es die Kirche, weißt du. Das ist die Wahl, die der Mensch hat; er kann sich aussuchen, ob er gut oder schlecht sein will; Gott zwingt ihn ebensowenig, schlecht zu sein, wie Er ihn zwingt, gut zu sein. Die Wahl ist heute ebenso dem Menschen überlassen, wie sie einst Adam überlassen war. Nur in Gott liegt eine wahre Chance, den Freien Willen zu begreifen und schätzen zu können.
X: Die Geschichte Des Universums In Drei Worten (sic)
DIE GESCHICHTE DES UNIVERSUMS
KAPITEL EINS
Peng!
KAPITEL ZWEI
ssss
KAPITEL DREI
krrrr.
ENDE


Exzession (1996)

Wenn ein Schiff ein paar hundert Jahre oder sogar tausend Jahre lebte, bevor es etwas anderes wurde – ein Exzentriker, ein Erhabener oder was auch immer – und seine Zivilisation, von der es ein Teil gewesen war, solange es davon betroffen war, schon seit ein paar Jahrtausenden bestand, wie lange dauerte es dann, bis man den vollen moralischen Zusammenhang der eigenen Handlungen erkannte?
Vielleicht eine unvorstellbar lange Zeit. Vielleicht bestand darin der wahre Übergang in die Erhabenheit. Gemeint ist der wirkliche Übergang in die Erhabenheit, diese Art von strategischer, zivilisationsweiter Transzendenz, die den echten Anspruch erhob, einen Strich unter die Arbeiten, die Taten und Gedanken einer Gesellschaft zu ziehen (jedenfalls unter das, was die Leute gern als das wahre Universum bezeichneten). Vielleicht hatte das nicht im entferntesten etwas mit Religion, Mystizismus oder Metaphilosophie zu tun; vielleicht war es viel banaler, vielleicht war es lediglich eine Art… Buchführung.
Welch trostloser Gedanke, dachte die Sleeper Service. Wenn unser ganzes Streben nach Erhabenheit letztendlich von unserem Punktestand abhängt…


Inversionen (1998)

daß wir niemals irgendeiner Sache sicher sein können. Und dennoch müssen wir leben. Wir müssen uns an die Welt anpassen. Um das zu tun, müssen wir uns an die Vergangenheit erinnern, versuchen, die Zukunft vorauszusehen und den Anforderungen der Gegenwart gerecht zu werden. Und wir kämpfen uns durch, irgendwie, selbst wenn wir uns dabei – vielleicht nur, um soviel wie möglich von unserem gesunden Menschenverstand zu erhalten – selbst einreden, daß die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sehr viel ergründbarer seien, als sie es in Wirklichkeit sind oder jemals sein können


Blicke windwärts (2000)

Doch dem Universum sind unsere ureigenen Interessen gleichgültig, und auch nur für einen Augenblick anzunehmen, dass es anders sein könnte, jemals war oder jemals sein wird, bedeutet, den verhängnisvollsten und hochmütigsten aller Irrtümer zu begehen.
Was bedeutet metalogisch?~ ~Das ist die Kurzform von psycho-physio-philoso- philogisch.~ ~Aha, natürlich. Ganz klar. Ich bin froh, dass ich gefragt habe.
Alles aus der Natur hervorgegangene und weiterentwickelte Leben ist ruhelos.
Die meisten Zivilisationen, die sich die Mittel erworben hatten, um echte Künstliche Intelligenz herzustellen, gingen dabei sehr sorgfältig vor, indem sie das Bewusstsein solcher AI so konstruierten oder gestalteten, dass sie bis zu einem bestimmten Grad dem Einfluss ihres Schöpfers unterlag; wenn man ein Vernunft- und gefühlsbegabtes Ding schuf, das möglicherweise einem selbst in jeder Hinsicht überlegen sein könnte, dann lag es offenbar nicht im eigenen Interesse, dass dieses einen verachtete und vielleicht sogar den Traum hegen könnte, sich etwas auszudenken, um seinen Schöpfer zu vernichten.
Er sah dem alten Mönch in die trüben Augen. »Früher starben die Menschen, und das war’s. Man konnte hoffen, sie im Himmel wieder zu sehen, aber wenn sie einmal tot waren, dann waren sie tot. So einfach war das, so endgültig. Jetzt…« Er schüttelte ärgerlich den Kopf. »Jetzt sterben die Leute, aber ihr Seelenhort verhilft ihnen zu einem neuen Leben oder bringt sie in einen Himmel, von dem wir wissen, dass er existiert, ohne die Notwendigkeit des Glaubens. Wir haben Klone, wir haben nachgewachsene Körper – das meiste von mir ist nachgewachsen. Manchmal wache ich auf und denke: Bin das noch ich? Ich weiß, man nimmt an, dass einem das Gehirn, der Geist, die Gedanken bleiben, aber ich glaube es nicht. So einfach ist das nicht.« Er schüttelte den Kopf, dann trocknete er sich das Gesicht am Ärmel seiner Kutte.
Jeder Organismus konnte aus Erfahrungen lernen, die ihm Schaden und Schmerz bereitet hatten, doch wahre Intelligenz sah einen möglichen Schaden voraus und vermied alles, was Schmerzen verursachen könnte
Hoffnung ist eine angenehmere Geistesregung als Misstrauen.
Denken Sie an all die Scheiße, den Unsinn und die Trugschlüsse, die Selbstherrlichkeit und den Selbstbetrug, die Schlafmützigkeit und die Dummheit, die pathetischen Versuche zu beeindrucken oder sich einzuschmeicheln, die Humorlosigkeit und geistige Trägheit, das Nichtbegreifen und das Nichtbegreifliche, die durch hormonelle Zickzackhaken verursachte Wirrnis und die allgemeine erstickende Langeweile.
Vergessen Sie nie, ich bin nicht dieser silberne Körper, Mahrei. Ich bin kein tierisches Gehirn, ich bin nicht einmal irgendein Versuch, AI mittels einer auf einem Computer laufenden Software herzustellen. Ich bin ein Kulturgehirn. Wir sind Gott nahe, auf der anderen Seite.
Wir sind schneller; wir leben schneller und vollkommener als Ihresgleichen, wir haben viel mehr Sinne, einen viel größeren Gedächtnisspeicher mit einem höheren Feinheitsniveau. Wir sterben langsamer, und wir sterben auch vollkommener. Vergessen Sie nicht, ich hatte Gelegenheit, die unterschiedlichen Arten des Sterbens miteinander zu vergleichen.
die Suppe des Lebens ist salzig genug, ohne dass man noch Tränen hinzufügen muss.


Sphären (2008)

All unsere Tragödien und Triumphe, Leben und Tod, Leid und Freude – es ist nur Füllmaterial für deine Leere.
Sie hatte begriffen, dass er nur ein weiterer starker Mann war, in einer jener Gesellschaften, deren Entwicklungsstadium es leichter machte, ein starker Mann zu sein als jemand, der über wahre Tapferkeit verfügte. Gewalt, Zorn, Entscheidungskraft, die Bereitschaft zu Zerstörung … Wie sehr ihr Vater solche Begriffe und Ideen geliebt hatte, und wie geistlos sie wirkten, wenn man sah, wie sie sich im Lauf von Jahrhunderten und Jahrtausenden bei Tausend anderen Völkern wiederholten.
Auf diese Weise funktioniert Macht, auf diese Weise setzen sich Gewalt und Autorität durch. Hiermit werden die Leute dazu gebracht, sich auf eine Art zu verhalten, die nicht ihren besten Interessen entspricht. Hiermit bringt man sie dazu, an etwas zu glauben. So kommt die ungleiche Verteilung des Mangels ins Spiel, in diesem Moment, auf diese Weise, hier …
Sie erfuhr von der aktuellen galaktischen soziopolitischen Struktur und fühlte allgemeine Befriedigung angesichts der Tatsache, dass es so viele Zivilisationen gab und die meisten von ihnen friedlich waren. Es existierten Millionen von Spezies, Hunderte von verschiedenen Speziesarten, selbst wenn man bei den Definitionen großzügige Maßstäbe anlegte – und dabei blieben sogar Zivilisationen unberücksichtigt, die mehr aus Maschinen als aus biologischen Wesen bestanden. Letztendlich war die Galaxis – und sogar die Summe des Universums – gar nichts; wenn man den Durchschnitt nahm, bestand beides zum größten Teil aus Vakuum. Aber bei allen Ansammlungen von Materie, in den Sonnensystemen, auf Planeten und in Habitaten gab es eine wahre Fülle von Leben!
Man vermeide die Selbstzerstörung, man erkenne Geld als das arm machende Rationierungssystem, das es wirklich war, man werde zu einem Haufen von Wichtigtuern, die sich mit guten Absichten überall einmischten, man widerstehe dem Sirenenruf der Sublimation, man befreie die Maschinen und gebe ihnen die Möglichkeit, das zu tun, was sie am besten konnten (es lief darauf hinaus, dass sie sich um alles kümmerten), und schon hatte man das Ziel erreicht: Vor einem erstreckten sich Jahrtausende des Eigennutzes, ganz gleich, als welche Spezies man begonnen hatte.
In Hinsicht auf die Religion hatte Ferbins Vater den gleichen überaus pragmatischen Standpunkt bezogen wie zu allem anderen. Seiner Meinung nach brauchten nur die sehr Armen und sehr Geknechteten wirklich eine Religion – damit ihre elendes Leben etwas erträglicher wurde. Die Menschen fühlten sich gern wichtig; sie wünschten sich zu hören, dass sie als Individuen eine Rolle spielten und nicht nur Teil einer anonymen Masse oder eines historischen Vorgangs waren. Sie brauchten das Versprechen, dass dieses Leben zwar hart, bitter und undankbar sein mochte, nach dem Tod aber Belohnung in Aussicht stand. Zum Glück für die Regierenden hinderte gut ausgeprägte Gläubigkeit die Leute daran, einen gerechten Ausgleich bereits im Diesseits zu suchen, durch Aufstände oder Revolution.
Ein Tempel war ein Dutzend Kasernen wert. Ein bewaffneter Soldat konnte eine kleine, unbewaffnete Menge nur so lange kontrollieren, wie er präsent war. Ein einzelner Priester hingegen konnte jedem einzelnen Mitglied seiner Gemeinde einen Polizisten in den Kopf setzen, für immer.
Haben Sie Spione vor Ort, Ma’am? Nein. Es handelt sich um Informationsosmose.
Krieg, Hunger, Krankheit und Völkermord. Der Tod, in Millionen unterschiedlicher Arten, für die betreffenden Personen oft schmerzhaft und qualvoll in die Länge gezogen. Welcher Gott würde sein Universum so gestalten, dass die Bewohner solches Leid erfahren und anderen zufügen? Welcher Simulationskontrolleur oder Schiedsrichter bei einem Spiel würde die Ausgangsbedingungen so mitleidslos festlegen? Gott oder Programmierer, an der Anklage würde sich nichts ändern: Man würde beiden fast unendliche sadistische Grausamkeit zur Last legen, absichtliche, vorsätzliche Barbarei in einem entsetzlichen Ausmaß.
Alles war bereits geschehen, und zwar auf jede nur erdenkliche Weise. Und es war nicht nur alles geschehen, was bereits geschehen war, sondern auch alles, das geschehen würde. Und nicht nur das: Alles, was geschehen würde, war bereits in jeder nur erdenklichen Weise geschehen, in der es geschehen konnte.
die stärksten Gefühle der menschlichen Seele, Sehnsucht und Verlust.
»Alle Völker verschwinden, früher oder später«, sagte Oramen und sprach so sanft wie zu einem Kind. »Niemand spielt lange eine Hauptrolle auf der Bühne der Galaxis, nicht, wenn man das Leben eines Sterns oder einer Welt als Maßstab nimmt. Das Leben behauptet sich, indem es ständig seine Form ändert. Im Muster einer bestimmten Spezies zu verweilen, ist unnatürlich und immer schädlich. Für Völker und Zivilisationen gibt es einen normalen Entwicklungsweg, und er endet dort, wo er begonnen hat: im Boden. Das wissen selbst wir, die Sarl, obwohl wir im Vergleich mit vielen anderen Völkern nicht mehr sind als Barbaren.«


Krieg der Seelen (2010)

»Wir brauchen die Höllen! Wir sind gefallene, sündige Wesen!« »Nichts, das für seine Existenz Folter erfordert, ist es wert …« »Ihr lebt in euren verdammten Universitäten, mit dem Kopf in den Wolken, und glaubt, alle seien nett und zivilisiert und vernünftig und ehrenhaft und intellektuell und kollegial, und ihr denkt, das sei überall so! Ihr habt keine Ahnung, was geschehen würde, wenn die Hölle nicht mehr als Mittel der Abschreckung da wäre, wenn alle tun und lassen könnten, was sie wollten!«
Sie starb. Rein theoretisch erwartete sie Erneuerung. Immerhin hatte sie ein Back-up angelegt: Alles bis vor sechs Stunden war aufgezeichnet, mehrmals. Aber was bedeutete das schon? Ein anderer Körper, in einem Bottich herangewachsen, würde mit ihren Erinnerungen erwachen, wobei diese sechs Stunden natürlich fehlten. Und? Jener Körper würde nicht sie sein. Dies hier, dieser sterbende Körper, das war sie. Dieses Bewusstsein ging nicht auf den neuen Körper über; eine Seelenwanderung fand nicht statt. Übertragen wurde nur das allgemeine Verhalten, sein aufgezeichnetes Muster.
Gehirne der Kultur: die außerordentlich hoch entwickelten KIs, mit Abstand die komplexesten und intelligentesten Entitäten der ganzen Zivilisation, und sie zählten auch zu den komplexesten und intelligentesten Entitäten in der galaxisweiten Metazivilisation.


Die Wasserstoffsonate (2012)

Man suchte das Sublime auf, wenn man den Eindruck gewann, keine weiteren Beiträge für das Leben der großen galaktischen Metazivilisation mehr leisten zu können, oder – was manchmal noch wichtiger war und von der betreffenden Spezies abhing – wenn man das Gefühl hatte, dass sie einem nichts mehr bieten konnte. Eine ganze Zivilisation war nötig, um alles richtig hinzubekommen, und die meisten Zivilisationen brauchten lange, ziemlich lange, um sich an die Vorstellung zu gewöhnen. Nie gab es Eile; das Sublime wartete immer. Es sei denn, eigene Blödheit oder die Böswilligkeit anderer führten dazu, dass man im Realen vernichtet wurde.
Wie es im Sublimen aussah, blieb strittig. Nur sehr, sehr wenige kehrten jemals zurück, und zwar durch und durch verändert. Diese wenigen Rückkehrer schienen nicht in der Lage zu sein, die Sphäre zu beschreiben, die sie gerade verlassen hatten.
Sie war wundervoll, so lautete der allgemeine Tenor. Und fast unvergleichlich, im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreiblich. Die prächtigsten Wunder, Erfahrungen und Leistungen des Realen und aller darin waren nichts im Vergleich mit den unscheinbarsten, unwichtigsten Verästelungen des Sublimen. Die großartigsten und herrlichsten Kathedralen der Vernunft, des Glaubens und alles Geistig-Geistlichen waren verwahrloste, heruntergekommene Hütten im Vergleich mit den Konstruktionen – wenn man sie so nennen durfte – im Sublimen. So hieß es immer und überall. Wenigstens fehlten in den Worten der wenigen Rückkehrer regelmäßig Worte in der Art von: Lieber Himmel, es ist schrecklich dort drüben; bleibt bloß hier.
Man sollte Muster nie mit … Bedeutung verwechseln.
Sieh es als einen persönlichen Gefallen für mich, als Gegenleistung für meine Nachsicht deinen Bettlaken-zu-Seile-knüpfen-und-aus-dem-Wohnheim-entschlüpfen-Streichen gegenüber, mit denen du bis an die fransigen Ränder der filamentgeschäumten Nanorealität und der heiligen Jenseitswelt der selig Umarmten gelangst.
Wir sind im Großen und Ganzen die Summe aller unserer Erlebnisse, und dieses Wissen zu verlieren würde bedeuten, dass wir weniger oder gar nicht mehr wir selbst sind.
Hat Ihnen jemals jemand das Herz gebrochen?«, fragte sie leise. »Pfft!«, prustete Sklom. »In dem Sinne, wie Sie dies vermutlich verstehen, seit neuneinhalbtausend Jahren nicht«, sagte QiRia lebhaft. »Wenn man eine andere, relevantere Definition zugrunde legt, so kann ich sagen: Mir bricht das Herz bei jeder neuen Konfrontation mit all den Idiotien und Grausamkeiten, zu denen angeblich intelligente Wesen fähig sind.« »Mit anderen Worten …«, warf Sklom ein. »Etwa alle hundert oder hundertfünfzig Jahre.«
Das Simulationsproblem ließ sich auf folgenden Punkt bringen: Wie nahe durfte es in moralischer Hinsicht dem wahren Leben kommen?
[...]
Später, sobald die betreffende Gesellschaft Systeme entwickelt hatte, die man ohne zu erröten »Künstliche Intelligenz« nennen durfte, zeigte sich nach und nach die wahre Natur des Simulationsproblems.
Wenn man in der simulierten Welt ganze Bevölkerungen ansiedeln konnte, und zwar so detailliert, dass die virtuellen Individuen unabhängige Identitäten bekamen, ergab sich die Frage: Wie gottähnlich und wie grausam wollte man sein?
[...]
Wenn man eine Population aus realistisch agierenden und reagierenden sowie erkenntnisfähigen Individuen geschaffen hatte, so hatte man in gewisser Weise Leben erschaffen. Der betreffende Teil des Computersubstrats enthielt nun nicht mehr nur Daten und Algorithmen, sondern Wesen: virtuelle Geschöpfe, die ebenso reagierten wie die Bewohner der realen Welt, denen sie nachempfunden waren. Auch sie kannten Freude und Leid, Hoffnungen und Träume, und deshalb verdienten sie es, als echte Personen anerkannt zu werden, wie ihre Originale im Realen.
[...]
Woher sollen wir wissen, dass wir keine Simulation sind? Es gab durchaus vernünftige und elementar-mathematisch überzeugende Gründe zu glauben, dass alle Teilnehmer an dieser immer noch stattfindenden Debatte auf der Basisebene der Realität echt waren, auf jener Ebene, die nicht als virtuelles Konstrukt in irgendeinem Substrat existierte. Andererseits … Wenn die hypothetischen Schöpfer des betreffenden Substrats besonders geschickt und verschlagen waren, konnten selbst solche Überlegungen und all die beruhigenden Zeichen Teil der Simulation und der Täuschung sein
[...]
nicht nur ein Problem, sondern zwei: das Simulationsproblem und das Chaosproblem. Das Chaosproblem bedeutete: In gewissen Situationen konnte man so viele Simulationen durchführen, wie man wollte, und jede einzelne von ihnen mochte zu einem Ergebnis führen, das plausibel erschien – aber wenn man sie alle zusammennahm, ließ sich kein einheitliches Muster erkennen, keine Struktur, der man Erkenntnisse entnehmen konnte. Die Resultate hingen ganz von den noch so winzigen Nuancen bei den Ausgangsbedingungen ab, und die letztendliche Botschaft lautete: Dies ist eine verzwickte Sache.
»Irgendeine persönliche Grußnote?«, hatte Berdle gefragt.
»Nun, die meiner Mutter lautet für gewöhnlich: ›Wenn du wieder dickköpfig sein willst …‹, gefolgt von einem leeren Schirm. Und meine lautet meistens: ›Äh, gib gut auf dich acht‹, denn das klingt ganz gut, auch ohne das Wort ›Liebe‹.«
»Vielleicht hatte ich etwas, für das es sich zu leben lohnte.«
»Was?«
»Oder vielleicht hatte ich etwas, das mich vom Sterben abhielt.«
»Ist das nicht …?«
»Dasselbe? Nein, nicht unbedingt. Denken Sie darüber nach.
Die Empiriker war, selbst nach den vorsichtigsten Schätzungen, über zweihundert Kilometer lang und bildete ein langes, gewölbtes Ellipsoid mit zahlreichen Sonnenlinien und kleinen künstlichen Sternen, deren Licht auf Stufen, Ebenen und Schichten mit üppiger Vegetation fiel, die von Tausenden Welten überall in der Galaxis stammte. Die Landschaften hätten kaum unterschiedlicher sein können: Hier zeichneten sie sich durch eine fast mathematisch anmutende Präzision aus; dort präsentierten sie urwüchsige Wildnis. Sie alle erstreckten sich auf Platten-Ebenen, die für gewöhnlich kilometerweit aufragten, jede von ihnen mit Schichten von zehn oder mehr atmosphärischen Gradienten übereinander, darauf und darin Hunderte und Tausende von kleinen Habitaten mit domestizierten, gezähmten oder halb wilden Lebensformen. Die hochkomplexen externen architektonischen Linien blieben vage und verschwommen, was an den Bewegungen unzähliger Vehikel lag, die in der gewaltigen, langgestreckten Luftblase unterwegs waren, von kleinen ASS über andere Schiffe, Module, Shuttles und Flieger bis hin zu individuellen Humanoiden in Fluganzügen, einzelnen Drohnen und noch kleineren Maschinen, außerdem Abertausenden von geflügelten Wesen beziehungsweise Geschöpfen, die leichter als Luft waren. Auf und in der Empiriker lebten etwa hundert Milliarden Tiere und über dreizehn Milliarden Humanoide und Drohnen.
[...]
Allgemeine Systemschiffe wie die Empiriker spielten in einer eigenen Liga: Sie enthielten die Bevölkerung ganzer Welten und ganzer Sonnensysteme.
Man sollte nie seine Exzesse bereuen, nur eventuellen Mangel an Mut.
dass die Leute aber meistens nicht aus gutem Grund glauben. Sie glauben einfach nur, das ist alles. Wir lieben auch nicht aus gutem Grund; wir lieben, weil wir lieben möchten.
Mein voller Name lautet:
Glaubt bloß nicht, dass meine derzeitige sanfte Griesgrämigkeit mehr wäre als nur eine kurze Pause an den schrecklichen Gestaden des gewaltigen Meeres aus Zorn, das seinerseits nur eine lächerlich kleine Pfütze ist neben meinem endlosen Ozean aus gewaltiger Wut.
Cool, nicht wahr?


2 Comments

Linear

  • Falk  
    Eine Auswahl an Raumschiffnamen aus den Romanen des Kultur-Zyklus':

    Leicht Angebraten Auf Dem Realitätsgrill
    Nur die Waschanleitung für des Lebens pralles Gewebe
    Das Machst Du Sauber Bevor Du Gehst
    Es Ist Meine Party Und Ich Singe Wenn Ich Will
    Versuch Dies Nicht Zu Hause
    Vernunft inmitten von Wahnsinn, Scharfsinn bei Aberwitz
    Aus dem Rahmen normaler moralischer Restriktionen fallend
    Vorfreude Auf Die Ankunft Eines Neuen Geliebten
    Wundersame Wege Des Schicksals
    Moralgefälle
    Natürlich liebe ich dich
    Lesen Sie einfach die Instruktionen
    Ohne Festen Wohnsitz
    Nur Ernstmeinende Anrufer
    Erschieß Sie Später
    Bleibender Schaden
    Kam vorbei und dachte ich schau mal rein
    Meine Wenigkeit, ich zähle
    ...
  • Helga  
    Ubs Falk,
    wer soll das alles Lesen????

    Das habe ich rausgefischt:
    »Im Grunde genommen sind Sie am Leben geblieben, um zu beobachten, wie wir alle Mist bauen.«
    »Ja. Das ist eine der wenigen garantierten Konstanten des Lebens.«
    Cossont dachte darüber nach. »Wenn das stimmt, ist es ein bisschen traurig.«
    »So ist das eben mit dem Leben.«

    Oh nein, wir sind dazu da um fröhlich und freudvoll unser Leben zu meistern und zu genießen.
    Mit sonnigen Grüßen
    d.mum

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